Abenteuer Kirche – 1945

Heiligabend 1945 – Ferbellinerstr gleich neben unserem Haus Nr 100 – katholische Kirche sagte man mir später einmal. 

Mutter: gehe auf die Strasse und warte bis ich dich rufe.  Dunkel war es, kalt war es. Gehen wir mal da rein da ist es wärmer.  Und Stühle gab es.  Warum stehen die Schlange vor diesem Häuschen da vorn. Okay stellste dich auch an vielleicht gibt es da was.  Ich war an der Reihe, sah die Gardine dort am Fenster, kehrte mich um und stellte mich wieder hinten an. Bevor ich schon wieder dran kam, kam die Tochter vom Nachbarn und holte mich raus.

Leute es war Weihnachten – bei einer heissen Pellkartoffel und ein Kartoffelkuchen vom Nachbarn.Na und dann erfuhr ich, es ist eine katholische Kirche – ooch mir egal. Vom Küchenfenster zum Innenhof konnte ich immer die Frauen sehen, mit so komische schwarze Dinger auf dem Kopf. Was sind das? Ach so Nonnen nennt man die. Gab es also dort so ein Haus für diese Nonnen und die sah ich fast jeden Tag dort so lange wie wir dort wohnten.

Hier vorne an der Ecke das Haus gab es nicht – Neubau  – Ferbellinerstr Ecke Schönhauser Allee 

Drüben andere Strassenseite – das gab es alles nicht es waren Ruinen.

Wie kommst du zu mir – S Bahn bis Alexanderplatz – dann mit der U Bahn bis Senefelder Platz – hinten raus und etwas zurück laufen  rechts die Strasse rein zweites Haus vor der Kirche – Etage 3 – nee nee nich Assambleia de Deus hier bei +65

Schönhauser Allee – Aufmarsch von SED und FDJ mit Trara und Fahnen.  In den Propaganda Gerüsten konnte man prima klettern und Spitzbart Ulbricht zerstören. So lange bis die Kriminalpolizei uns fangen wollte. Dann hiess es rennen, über Mauern klettern – der Kripo immer lsutig hinter her. Bis ihm die Luft aus ging.  Wie sagte man damals bei den Jungen Pionieren?? SEIT BEREIT – ANTWORT – IMMER BEREIT

Wir waren bereit – die Volkspolizei sucht uns Heute noch.

So ein Scheiss wie bei euch Portuguese hier in Waidmannslust kannten wir nicht  – Handy ficken. Wir waren damals Mobil – im Einsatz – auf Ruinen klettern – in die Bunker Humboldhain und Fridirchshain rein steigen, Munition sammeln und sprengen. Und nicht solch Scheiss wie ihr Hier Heute macht. Schwarzfahrer bi S Bahn und U Bahn gratis durch Berlin.  Nach West Berlin S Bahnhof Gesundbrunnen – in die Markhalle zum Mittagessen. Nebenbei gabs auch noch ein bischen Schule. Erste Stunde wir lernen Russisch – ein Scheissdreck lerne ich nicht mit mir. Ab da war ich bei Genosse Lehrer abgemeldet. Ich war als Kind und Jugendlicher in Ecken von Berlin, die finde ich Heute nicht mehr wieder.  Mit Alter sechs Jahre war ich bereits Geschäftsmann!! Dem einen klaute ich seine rote Fahne  und dem anderen verkaufte ich dann diese Fahne. Jede Strasse hatte damals seine Bande – da gab es Kämpfe zwischen den Strassen.

Euch Portuguese hätten wir damals den Arsch aufgerissen. Das war Mai 1945 – 1950/51

Später – zweimal geflüchtet in den Westen. S Bahnhof Schönhauser Alle in die S Bahn Gesundbrunnen was Westen.  Flüchtlingslager Tegel gelandet! Du bist noch zu JUNG – meine Mutter musste mich zurück holen in den Osten. Zweite Flucht – selbe Weg. Deine Mutter muss kommen und einwilligen. Na ja Junge dann gehe in den Westen. Ein Jahr hielt ich es im Westen aus, dann hatte ich die Schnauze voll und ging nach Algerien. Freie Kost und Logie, immer die beste Kleidung und 10 mal mehr verdient. Als ich wieder zurück kam, es gab nichts mehr zu tun war die Begrüssung: SIE LANDEN SOWIESO IM KNAST!  Ich landete nicht im Knast dafür beim Staat!

Heute bin ich ein gemachter (reicher) Mann – ich kann mir die Parkbänke aussuchen – links zwei rechts zwei…

Habt ihr Portuguese überhaupt schon mal Berlin gesehen – von weiten gesehen? Zu meiner Zeit bin ich hin gekommen wo hin ich wollte, ob da Grenzpolizei oder Russen waren, war mir scheissegal. Für die im Osten war ich ein Kapitalist weil ich West Jeans hatte – und für die im Westen ein Kommunist weil ich aus dem Osten kam. Nur Jesus, der war ich noch nicht!!